Büchertipps, Kinderbücher
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Kinderbücher shoppen in der Wiener Innenstadt

Also wenn ich so richtig Zeit habe oder sie mir einfach nehme (denn war hat sie schon die Zeit?), dann fahre ich gerne in die Wiener Innenstadt zum Bücher shoppen. Hin und wieder allein, meist nehme ich eines meiner Kinder mit. So eine Art Mutter-Kind-Ausflug mit integrierter Zeitreise. Denn wo anders ließe sich das Flair früherer Tage mehr erfahren als in den Hintergassen des Stephansplatzes? Und dann erst diese entzückenden Buchhandlungen abseits des Mainstreams mit Harry Potter Feeling – Stichwort Winkelgasse!! Das ist Flanierschopping de luxe.

Auf zum Flaniershoppen

Erst kürzlich hat uns wieder die Reiselust gepackt. Mit ausreichend (Geld-)Talern versehen sind wir vom äußersten westlichsten Bezirks Wiens in die Wiener Innenstadt aufgebrochen, besuchten Buchhandlungen und Kaffeehäuser gleichermaßen. Früher als unser Sohn noch kleiner war, galt bereits die U-Bahnfahrt zum Stephansdom – unserem fixen Starpunkt – als Highlight schlechthin … Inzwischen interessiert ihn mehr die Höhe des Domturms und das geschäftige Treiben auf den Gehsteigen mehr denn die Pferdekutschen daneben. Doch die gemeinsame Zeit beim Flaniershoppen erleben wir immer noch als kleiner Alltagsluxus. Welche Buchhandlungen mit einem Kinderbuch-Schwerpunkt kann ich euch als Wahlwienerin nun empfehlen? Einmal ganz um den Steffel herum, an dessen Rückseite, betreten wir meist zunächst die Leporellobuchandlung in der Singerstraße.

Leporellobuchhandlung

Diese Buchhandlung ist ein Traum für alle Bücherverliebten. Man fragt sich die ganze Zeit, ob nicht doch noch wer geheimnistuerisch ein paar Zauberstäbe zum Kauf unter dem Kontor (ich glaub, so heißt das) hervorkramt. So viele schöne alte Holzdielen, so viele Bücher auf so kleinem Raum und doch ist nichts dem Zufall überlassen. Diese Buchhandlung kann ich nicht nur für Erwachsenenliteratur empfehlen (für die aber auch sehr), sondern auch für ein ausgewähltes, nicht nur nullachtfünfzehn Kinderbuchsortiment. Hier gibt es fundierte Beratung zu Kinderbüchern, in denen Mädchen nicht nur Prinzessinnen sind und auch so „schwierige“ Themen wie Flucht und Krieg adäquat für Kinder erzählt werden. Die Empfehlungen waren für mich immer top. Es lohnt sich auch ein Blick in das „hauseigene“ Büchermagazin.

Ein paar Straßen weiter, kommen wir durch ein paar enge Innenstadtgassen flanierend in die Wollzeile. Die Wollzeile ist ein Mekka für Nostalgieverliebte. Hier gibt es allerdings nicht nur eins der ältesten Papiergeschäfte Wiens (seit 1837) und feinsten traditionsreichen Konfekt, sondern auch jüngere Labels, wie etwa das Kinderbekleidungsgeschäft „Herzilein-Wien“. Allesamt laden sie zum Schaufenster bewundern ein und verlangen gleichermaßen zügiges Weitergehen. Fast schon beim Stubentor und etwas zurückhaltend taucht schließlich die Herder Buchhandlung auf.

Herder Buchhandlung

Als Fachbuchhandlung für Theologie, Philosophie und Literatur findet sich hier ein spannendes Sortiment, insbesondere für geisteswissenschaftlich Interessierte. Die Galerie im „oberen Stock“ ist schick und klassisch. Mich erinnert sie an einige typische Pariser Buchhandlungen. Und auch hier stehen die Leute klassisch bebucht vor den Regalen rum und blättern gedankenversunken. Das belesene Fachpersonal mischt sich gern unter diese Eremite und hilft bei Bedarf mit informierten Tipps weiter. Ich gestehe, die Verkäufer*innen zeichnen sich manchmal eher durch Fachexpertise, denn durch Charme aus (aber ehrlich, erwartet man sich das von Bücherspezialist*innen nicht genau das??!) Mit etwas Zeit im Gepäck findet man jedenfalls stets zueinander und auch immer zu einem lohnenden Buch.

In dieser Buchhandlung scheint es auf den ersten Blick keine Kinderabteilung zu geben. Und ehrlich, wenn ich mich nicht getraut hätte nach Kinderbüchern zu fragen und nicht ein paar bunte Kinderkalender dezent den Stiegenabgang zierten, wäre ich da auch nie drauf gekommen. Stiegabwärts, oder für die Kinder rutschabwärts(!), eröffnet sich ein Paradies richtig guter Kinderliteratur. Auch spannende Lesungen mit den Autor*innen finden hier immer wieder statt!

Die Spielzeugschachtel

Ja, ich weiß, Spielzeug klingt nach Spielsachen und nicht nach Büchern. Aber da für einen „Büchernerd“ Bücher eben zu den wichtigsten Spielsachen zählen, macht es dann schon Sinn in der Spielzeugschachtel nach Büchern zu suchen. Das Geschäft befindet sich in der Rauhensteingasse, nicht weit von der Kärntner Straße entfernt. Trotz Navi muss mit einem gewissen Umweg gerechnet werden, denn ganz erschließt sich selbst Geübten die Innenstadt mit ihren vielen Ecken nicht … Allerdings nie, aber wirklich nie habe ich es bereut mich hier zu verirren. Das Augenrollen meines Sohnes nehme ich hierfür tapfer in Kauf.

Die Kinderbuchabteilung, die es seit 1980 nunmehr gibt, befindet sich sodann im hinteren, rückwärtigen Teil des Geschäfts, also auch hier wieder erstklassig verborgen. (Warum machen die das bloß? Ist das geheime Strategie? Sozusagen gegenläufig zur blinkenden Leuchtreklame??) Die Spielzeugschachtel hat jedenfalls einen dezidiert pädagogischen Anspruch, wie auch im Webauftritt beschrieben und den merkt man auch im Kinderbuchsortiment. Wie es mit der Beratung ist, kann ich nicht sagen, weil ich meist damit beschäftigt war nebenbei die Kinder davon abzuhalten die Spielsachen des vorderen Bereichs zu „plündern“. Aber wenn die Verkäufer*innen nur annähernd so informiert sind wie für die hochwertigen Holzspielsachen, dann bitte bravo.


Wienerische Jausenstationen

Zum Stärken gibt es viele tolle Destinationen in der Innenstadt. Eine Auswahl unserer Lieblingsorte auf unserer Flanierroute findet ihr hier. Leider kaum rollstuhl- und kinderwagengerecht.

Kleine Café, Franziskanerplatz 3 – ein kultiges Café für die Rast zwischendurch. Mein Tipp: im Sommer kann man hier auch ganz fein draußen am Franziskanerplatz sitzen. Und falls die Uhrzeit nicht passt und der Mittagshunger zu groß ist, gleich ums Eck befindet sich auch das Pöschl, Weihburggasse 17, mit meinen Lieblingsschnitzel und toller Saisonkarte (auch für Liebhaber*innen vom Vegetarischen sind immer zwei, drei Gerichte dabei).

Haas und Haas Teeladen, Stephansplatz 4 – zuerst mal ausgiebig frühstücken? Kleiner Hinweis: Angeduselt Bücher shoppen kann sehr gefährlich sein, aber gegen ein kleines, zugegeben nicht gerade billiges, Sektfrühstück ist wohl nichts einzuwenden. Wienerische Hochkultur findet ihr hier geballt, also auch eine ordentliche Dichte an Pelzmänteln im Winter. Muss man mögen. Die Kellner sind dafür erfrischend flexibel auch gegenüber Kindern.

Café Prückel, Stubenring 24 – Eine Wiener Kaffeehausinstitution. Das Mittagessen ist sehr klassisch, preislich okay, aber in der Qualität auch häufig Durchschnitt (Tagesverfassung des Kochs/der Köchin?!). Mehlspeisen sind dafür gut und die Sessel so durchgesessen, dass es eine wahre Freude für’s Popscherl ist. Hier kann man sich mit Generationen anderer zutiefst verbinden… Sehenswert ist der Stiegenabgang zu den Toiletten. Meine Kinder finden den ebenfalls großartig.


Mein Tipp: Weniger ist mehr. Vielleicht nur eine Buchhandlung besuchen? Dafür länger die Pferdekutschen inspizieren? Am besten dem Kinderalter entsprechend die Route anpassen. Es sind ganz ordentliche Laufwege… Und im Kaffeehaus die neuen Bücherschätze begutachten ist überhaupt das Allerschönste;-)

Den Lift am Stephansplatz kann ich nicht einmal den Kinderwagenschieber*innen empfehlen. Zu klein für diesen Hotspot, Wartezeiten also unendlich bis nicht mehr zu erleben. Oder ist das irgendein tiefer gehendes Entschleunigungskonzept der Stadt Wien, das ich so noch nicht erkannte? Kurzum: Wählt die Stiegen!

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