Gemeinwohl, Mit Kindern leben
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In der Lastenrad-Euphorie

Wir hatten es erwartet. Sehnsüchtig. Und jetzt ist es da und schon voll integriert. Unser neuer Familienzuwachs. In Light green. Stark wie ein Bär, aber eigentlich ein Pelikan. Dazu gleich mehr. Und so was von chic, dass einem das Herz aufgeht. Von wem oder was rede ich? Von meinem, nein korrekterweise muss ich sagen, von unserem neuen E-Lastenrad. Es ist nämlich eindeutig ein Unser-aller-gemeinsam-Ding, moderne Familienkutsche und Transportgerät in einem. Wenn ich jetzt mit der Auto-Alternative komme, heißt es nur noch: „Muss das sein, Mama? Können wir nicht lieber mit unserem Lastenrad fahren?“

Kinderfreundliches Gefährt

Unsere Kinder fanden es von der ersten Minute an einfach nur cool. Auch mein Volksschulkind, was mich dann doch eher überraschte. Liegt vielleicht daran, dass die Kinderfreund*innen es ebenfalls cool finden und die Sitzflächen so ultrakomfortabel und kinderfreundlich sind: mit weicher Polsterung, stabiler Fußablageflächen und Anhalte-Möglichkeit rundherum. Zur Erläuterung, wir haben keine Wanne vorne dran wie viele andere Lastenräder, sondern einen extragroßen Sitzkorb hinter der Lenkerin/dem Lenker. Das heißt im Fachjargon Longtail-Lastenrad, im Grunde ein nach hinten verlängertes Fahrrad. Vornedran befindet sich ein großer PVC-Bag, der bis zu 25 l oder 2 Schultaschen fassen kann. Stehen tut das bodennahe Rad sehr satt auf einem Doppelständer, durch leichtes Anschieben löst sich dieser. Meine Kinder erzählen übrigens stolz herum, dass wir mit unserem Rad „sogar die Autos überholen“. Und das ist stimmt auch irgendwie …

Aufsehenerregendes Gefährt

Überhaupt bin ich zur beliebten Auskunftgeberin geworden. Da es kein alltägliches Gefährt ist und Neugier weckt, werde ich häufig gefragt, „wie das denn so ist, so ein Lastenrad, ob wir es empfehlen können, was es kostet und ob der Akku lange hält“. Und ich höre mich über technische Details plaudern wie selten nie: „Ja, klar mit Elektromotor“; „Ein Shimano ist das“; „Ja, lenkt sich superwendig trotz Eigengwicht“; „Anschaffungskosten sind schon nicht ohne, stimmt. Aber die Autokosten ja auch nicht.“ usw. So muss sich das Leben einer Hunde-Mami anfühlen, die immer wieder beim Spazierengehen auf ihren Wuschel am Ende der Leine angesprochen wird. „Na, wie heißt er denn, der Kleine und was kann er denn?“. Nur dass meiner, nein unserer, statt auf 4 Pfoten, das Leben auf 2 Rädern verbringt. Und Kulleraugen hat er auch nicht. Da schon eher jede Menge großer Schnäbel. Das Pelikan-Logo vom italienischen Fahrradhersteller Bicicapace ist nämlich gut sichtbar auf allen Accessoires aufgedruckt und hat unserem Rad den Spitznamen „Pelikani“ beschert. What else?

Das Gutgefährt

Erste Erkenntnis unserer ersten Lastenrad-Wochen lautet daher: Du wirst gesehen. Du wirst angefragt. Und du erfährst viel Freundlichkeit. Und das nicht nur von den sogenannten Bobos, die sich laut eines profil-Artikels im Mai 2022 gerne mit dieser Art „Gutgefährt“ schmücken. Auch der Marktstandler schräg gegenüber vom Radabstellplatz überlegt laut mit mir, ob sich das wohl für den Transport seiner Säfte eignen würde … Im Grunde ist es nämlich ein in der Stadt logisches und praktisches Gefährt. Braucht nicht so viel Platz als ein Auto, ist alles in allem billiger und kann trotzdem einiges transportieren, und das direkt von Haustür zu Haustür. Und es gibt eine österreichweite Förderung in Form eines E-Mobilitätsbonus. Die unbedingt sichern! Das Radwege-Netz in Wien lässt leider noch sehr zu wünschen übrig, insbesondere in den Außenbezirken. Aber wenn sogar Paris immer mehr Straßen für den Radverkehr öffnet, schafft Wien das sicher auch …

Überraschende Goodies

Auch wenn es immer noch zu stressigen Situationen im Straßenverkehr kommt, so entdecke ich schon einen ersten Vorteil im Vergleich zum klassischen Fahrrad. Wenn wir mit E-Lastenrad unterwegs sind, wird mehr Abstand zu uns gehalten und großräumiger überholt. Irgendwie kommt es uns zugute, dass viele das „Ding“ irgendwie nicht so recht einschätzen können. Wuchtig und doch flott, die Kinder so sichtbar … Und auch wir selbst mussten uns erst an das neue Tempo gewöhnen. Bis zu 25 km/h geht es geschmeidig dahin. Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist für mich die Mehr-Bewegung im Alltag. Obwohl kein Rennrad und noch dazu mit Motor, sind wir neuerdings wieder viel mehr an der frischen Luft unterwegs und da man doch schon auch treten muss, machen wir sogar ein bisschen Sport. Wer den Motor ganz weg lässt und Gewicht mitführt, hat sogar Wadeltraining vom Allerfeinsten.

Würden es jederzeit wieder tun

Unser Hauptentscheidungsgrund für ein Lastenrad war, dass wir nicht jedes Mal für den Einkauf das Auto anwerfen wollen, denn als 4-köpfige Familie geht da schon einiges. Nix mehr da mit kleinem Rucksack am Rücken. Und am besten wäre natürlich auch, wenn man nicht zwischen Kinder abholen und Einkauf erledigen entscheiden müsste. Gefunden haben wir unser Goldstück übrigens bei Heavy Pedals, einem großen Lastenrad-Anbieter in Wien. Meine Tochter war bei den Probefahrten mit dabei. Mit vier verschiedenen Longtail-Modellen haben den Park beim Hundsturm im 2. Wiener Gemeindebezirk umrundet: mit einem Yuba Mundo, einem Bike43, einem Riese&Müller und eben dem Bicicapace. Hui. Alles wirklich tolle Räder. Wir haben uns schließlich für das italienische Lebensgefühl entschieden, denn Bicicapace wird in Mailand hergestellt. Und bislang keine Sekunde bereut.

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