Mit Kindern leben, Natur entdecken, Schule und Corona
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Lockdownduft liegt in der Luft

Wenn wieder das Wort „Lockdown“ über unseren Köpfen schwirrt und das Herz längst erfasst hat, was die Zeitung erst Eckerl um Eckerl ausspuckt, dann leuchten bei mir die inneren Signallampen. Tatütata, tatütata. Und nicht nur bei mir, wenn ich in die nervösen Gesichter um mich herum blicke. Diese offenkundige Mischung aus Panik und Habacht-Haltung. Nach außen bin ich selbstverständlich ganz ruhig-kontrolliert, total gechillt. Pokerface eben. Schon allein der Kinder wegen. Am liebsten würde ich natürlich schreiend davon laufen, den nächsten Charterflug nach – wohin denn bitte?, überall Corona! – buchen und erst wieder kommen, wenn sich die Sachlage beruhigt hat. Geht natürlich nicht. Also kommt wieder mal Plan B zum Zug: das Beste draus machen.

Feuer, Wein und Brot: Archaisch geht es zu

Die Bierration ist aufgefüllt. Das mit dem Klopapiervorrat habe ich ehrlich noch nie verstanden. Jahreszeitenbedingt habe ich noch günstigen Rotwein und Zimtstangen geplündert. Weil vermutlich werden wir auch heuer wieder Punschstand im Garten mimen. Gott bin ich froh um unsere Feuerschale. Habe ich die schon erwähnt? Da kann man ins lodernde Feuer schauen und sich mit Freund*innen oder Nachbar*innen unkompliziert und doch feiernd treffen. Die Kinder halten Steckerlbrot ins Feuer und die Großen halten Punschhäferln. Oder sie halten die Steckerln der Kinder, denen fast schon, nein, ganz bestimmt sicher und schrecklich der Arm abfällt, weil sie das Halten schon „sooo lange machen“. Abfallende Arme können wir natürlich nicht riskieren.

Vorbereitung ist das halbe Leben

Dann habe ich bereits vor einem Monat – ja, ich Pessimistin – meine Basteltruhe aufgestockt. Da ist jetzt alles drin, was unseren winterlichen Basteleinheiten dienen wird. Weil wir müssen der Wahrheit ins Auge sehen. Stundenlang werden wir es im Winter nicht mehr outdoor schaffen. Vollverpackt in dicker Kleidung und Handschuhen steht insbesondere meine Jüngste und Kraxelbegeisterte einfach nur ratlos da. Ich mantraartig: „Nein, wir können bei Minusgraden nicht barfuss sein.“ Sie mantraartig: „Warum nicht?“ Also werden wir auch viiiiel Zeit drinnen verbringen. Und da ich nicht wieder ständig alle nicht vorhandenen kleinen Kinderfreund*innen meiner Kinder ersetzen will, nach zweimal Katenbaby und Dinosaurier spielen bin ich nämlich durch, wird diesmal gebastelt, was das Zeug hält. Jahreszeitengemäß und unjahreszeitengemäß. Wie wir grad drauf sind.

Was mach ma nur mit dem Bewegungsdrang?

Ihr seht, ich mutiere echt zu einer kleinen Home-Pädagogin. Nur leider bin ich dieses Mal für die Bewegungseinheiten etwas planlos. Mein Großer wird langsam zu groß für einen Parcours quer durch die Wohnung und sein Rekord beim Springschnurspringen liegt bereits bei 200 Durchzügen. Wie kriege ich seine Energie nur irgendwie sinnvoll gelenkt, weil einen Raum in Turnsaalgröße haben wir nicht zur Verfügung. Doch eine Sprossenwand montieren oder eine Kletterwand über die ganze Wohnungslänge??! Hmm. Zu teuer, zu aufwändig, zu … Die Decke ist auch noch ungenutzt, fällt mir auf. Uaah. Ihr hört die Verzweiflung raus. Es wird wohl Käfigfußball werden.

Gesegnete Medien

Und habe ich schon gesagt, dass wir von Lockdown zu Lockdown auch unsere  Prinzipien gelockdownt haben? Von wegen Anzahl und Dauer der Youtube-Einheiten zum Beispiel. Medien-Pausetage wurden gestrichen. Sogar das „ausnahmeweise“ im ausnahmsweise etwas länger fiel gänzlich, ich glaub, es war im dritten Lockdown … Okay, also Peppa Wutz und Checker Tobi bis zum Exzess und in Dauerschleife. Ich muss langsam wieder auf Neusuche gehen, auch diese Sendungen haben ein Ablaufdatum. Oink, Oink. Und vielleicht sollten wir diesmal endgültig Netflix zukaufen? Hmmm. Für so ein paar feine Kinotage mit Popcorn und Co?

Familien tun sich zusammen

Was ich dieses Mal gar nicht sehe, ist die nochmalige totale Konzentrierung auf die eigene (Klein)Familie. Dies hatten wir stets bewusst abgewählt und wollen wir auch nicht über die Hintertür (wieder) serviert bekommen. Schon gar nicht mit Home office oder Homeschooling nebenbei. Wir haben uns in unserem Leben für viele Außenkontakte, viele wechselseitige Unterstützungsangebote und die Nutzung öffentlicher Institutionen entschieden. Wir haben erfüllt, was, nicht nur, aber auch aus Solidaritätsgründen zu erfüllen war: Reduktion der Kontakte, Testungen, Maskentragen und schließlich die Impfungen. Für einen weiteren Lockdown werden wir aus Verantwortungsbewusstsein gegenüber uns selbst, unseren Kindern und Familien generell eine gemäßigtere Alternative suchen und uns mit ein paar Familien zusammentun. Die Isolation hat uns und vielen um uns nicht gut getan. Da muss was Neues her.

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