Mit Kindern leben, Schule und Corona
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Das 2. Schuljahr – zwischen Schwimmkurs und Selbstständigkeit

Badeutensilien Volksschulkind in der Corona-Zeit

Das 2. Schuljahr ist nun da und wir haben kein Schulbeginnerkind mehr. Herrlich. Es fühlt sich zwar immer noch ein wenig feierlich an, aber auch deutlich ruhiger und routinierter. Die Dinge wiederholen sich auf angenehme Weise. Dem Elternabend zu Schulbeginn begegneten wir schon wie die Profis. Selbstbewusste Entgegennahme des Stundenplans, gezielte Fragestellungen, viele inzwischen bekannte Gesichter. Ich erinnere mich noch gut an letztes Jahr, als ich angesichts der Zettelflut und neuer Begriffe am liebsten schreiend das Schulgebäude wieder verlassen wollte. Das ging meinem Sohn in den darauf folgenden ersten Schulwochen vermutlich auch manchmal so…

Cooler geht nimmer

Aber jetzt. Ha. Die ungeliebt-geliebte Jausenbox pfeffern wir in eingespielter Arbeitsteilung nur mehr so in die Schultasche, das Mitteilungsheft überfliegen wir inzwischen in Sekundenschnelle und Schoolfox ist schon fast zu meiner neuen Lieblingsapp geworden. Manchmal nur halbpraktisch, aber so schön lila. Naja, seit ich weiß, dass man bei mehreren Anhängen nach rechts schieben muss, um nicht nur den ersten Anhang zu sehen… Welch Lerneffekt! Die Schmach übersehener Unterschriftenleistungen bleiben mir seitdem erspart.

Kein Ausschlafen mehr

Ich mein, ein bisschen hart war der Übergang vom Sommer in den Schulherbst schon. Aber so wie unser Sohn seit Beginn dieses 2. Schuljahres Woche um Woche und Tag für Tag mehr ankommt und sich in seiner Klasse wohlfühlt, kommen auch wir immer mehr in den gewohnten Rhythmus. Das fühlt sich gut an. Die Familienharmonie harmonisiert sich. Das Ausschlafen-Können war schon toll, der Urlaub auch, aber ansonsten weine ich den 9 Wochen Schulfrei wirklich nicht hinterher. 9 Wochen! Das ist 3×3! Unfassbar. Vielleicht fühlen wir uns darum das erste Mal nach den Sommerferien nicht wirklich erholt…

Die neue Selbstständigkeit: schön und unheimlich

Ganz toll zu beobachten ist, wie unser Sohn in diesem 2. Schuljahr sich deutlich souveräner von uns wegbewegt. Er sieht Klassenkolleg*innen und schon stürmt er auf diese zu und den betröpelten Eltern bleibt nur mehr die Zuschauer*innenrolle. Aha, wir werden allmählich unwichtiger. Schön, aber auch ein wenig traurig. Das ist nun unser neuer Lernprozess. Selbst schuld, könnte man sagen. Haben wir doch damit begonnen, auf das „Alleine Schulweg gehen“ zu pochen. Anfänglich noch mit Skepsis betrachtet, freundet sich unser Kind allmählich damit an. Es könnte ja auch cool sein. Eine Schulfreundin macht das auch und ja, ein 8-jähriger Freund an einer anderen Schule nimmt schon seit über einem Jahr alleine den Bus, überquert sogar eine gut befahrene Straße…. Schon sehr cool.

Corona – a never ending story

Was dafür ganz und gar nicht cool ist, ist Corona. Täglich grüßt das Murmeltier. Immer noch nicht hat es sich vertschüsst, dieses „Kackvirus“, wie es aus auch schon aus frustriertem Schülermund kam. Auf eine Art ist alles zwar routinierter, aber nicht weniger intensiv geworden. In den Wiener Schulen wird weiterhin mindestens drei Mal die Woche getestet, das hatten wir eh schon. Wobei neuerdings in erster Linie mit Spültests. Daher werden in unserer Schule montags nun zwei Tests durchgeführt. Ja, richtig gehört, eine Doppeltestung. Einmal Antigen, so für die flotte Überprüfung für den Tag und nach dem Wochenende, und einmal PCR, so als grundlegende Überprüfung und Vorbau für die kommenden 2 Schultage. Für alle Nichtkenner*innen: die sichereren PCR-Spültests brauchen nämlich länger für die Auswertung und das Ergebnis liegt daher nicht am selben Tag vor.

Schwimmen unter neuen Bedingungen

Nun findet der Klassen-Schwimmkurs just am Montag statt. Was bedeutet, dass unser Boy wegen Doppelteststrategie eine halbe Stunde früher in der Schule sein muss. Montag ist der Tag, an dem es allerdings noch ganz und gar nicht bei uns „smootht“. Unsere Jüngere kommt da erst recht nicht in die Gänge. Katastrophenstimmungsalarm!! Wir haben uns jetzt mit Hinbringen neu aufgeteilt, zwackt zwar vorne Arbeitszeit weg, schont aber deutlich die Nerven. Der neueste Schmäh kommt aber noch. Die „Schwimmkinder“ müssen nun zu Fuß ins drei Straßenbahnstationen entfernte Schwimmbad, weil Schulklassen angehalten sind, derzeit keine Öffis zu nutzen. Häh? Ultragefahrenquelle Schulklasse? Sorry, wir sollten in Zeiten der Impfmöglichkeit für alle Erwachsene langsam wirklich an dem Punkt sein, wo wir die Kinder nicht mehr derart ausgrenzen und ihrer zarten Seele das Gefühl geben, sie wären eine Gefahr für Leib und Leben.

Öffinutzung und Corona-Ausgang verzweifelt gesucht

Weil es nun mal dieselben Kinder sind, die uns grauen Öffi-Gesellen vermutlich mehr mit ihrer Fröhlichkeit, ihrer Neugier und ihrer Lebendigkeit anstecken als mit irgendwelchen Corona-Viren. Mein Sohn insgesamt zum Schwimmkurs und Corona: „Na ja, immerhin müssen wir nicht mit der Maske ins Wasser. Das würde ja nun wirklich nicht gehen, oder?“ Oh mein Gott, er würde es uns sogar zutrauen!!! Wie kommen wie da nur wieder raus und weg? Von all diesen doppelt und dreifachen Schutzmaßnahmen, deren Sinnhaftigkeit epidemiologisch längst zu hinterfragen sind. Weit unter 1% Trefferquote für eine quasi nicht gefährdete Gruppe erreicht die Testmaschinerie angeblich, verkürzt die Bildungszeit und selbst die Schwimmkurszeit. Bitte hört endlich damit auf, Erwachsenenängste auf die Kinder zu projizieren. Im Zweifelsfall geh(t) impfen.

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