All posts tagged: Armut

Demon Copperhead von Barbara Kingsolver

Drogenkindheit im US-amerikanischen Nowhereland Ein großartiger Roman. Wie das geschrieben ist. Aus der Perspektive eines jungen Mannes, Demon Copperhead, dem das Leben von Kindheitsbeinen an nicht unbedingt gut mitgespielt hat. Wie unbeteiligt erzählt er davon, was ihm widerfahren ist. Von seinen ersten Atemzügen, in einem Trailer (Wohnanhänger) von einer drogenabhängigen Teenie-Mom geboren, bis hin zum Aufwachsen in verschiedenen Pflegefamilien. Und irgendwie ist er ja tatsächlich nur bedingt Akteur. Von klein auf geschehen Dinge um ihn herum und sein persönlicher Einflussbereich ist denkbar gering. Er wächst irgendwo in einem Kaff in den Wäldern Virginias auf. Früher konnte man in der Gegend von Tabakanbau halbwegs leben und jetzt mehr oder weniger schlecht von kleinen Geschäften und illegalen Hinterhof-Verkäufen. Kein Wunder, dass Armut, Gewalt, Perspektivenlosigkeit und Drogenprobleme (vor allem der Jugend) ein großes Thema sind. Wenn es für ihn einmal gut läuft, lugt womöglich die nächste Katastrophe bereits ums Eck … Überleben – ein Lehrstück der Resilienz Beeindruckend, wie die Autorin Barbara Kingsolver uns mit hineinzieht in die Geschichte des Pflegekinds Demon, mit dem wir gewillt sind, mitzufiebern …

Der Garten aus Glas von Tatiana Ţîbuleac

Eine andere Welt. Andere Verhältnisse. Alles anders zu dem, was ich aus meinen Kindertagen kenne.Wenn das Glück darin besteht, der Gewalt einmal zu entgehen. Wenn Kindheit nur ein Wort aus einer fernen Erzählung ist. Wenn Frauen sich zusammentun, um nicht das Wenige zu teilen, sondern gnadenlos Geschäfte zu machen. Weil Geschäfte zu machen nicht nur das Überleben sichert, sondern auch den Kopf oben belässt. Die Autorin Tatiana Ţîbuleac bringt unprätentiös auf den Punkt, was es heißt, in Armut im Moldawien der Achtziger- und Neunzigerjahre hineingeboren zu sein. Als Kind, als heranwachsende Frau, in einem der Höfe der Stadt. Sie erzählt die Geschichte von Lastotschka, die sich, inzwischen zur Chefärztin hochgearbeitet, an ihre Kindertage erinnert, zunächst im Waisenhaus, danach als Flaschensammlerin bei ihrer Ziehmutter Tamara Pavlovna. Dabei verwendet Ţîbuleac eine Erzählweise und Sprache, die zugleich poetischer nicht sein könnte. Manche Sätze treffen wie Nadeln ins Fleisch. Und bleiben doch wertungsfrei. Das zeichnet die vormalige Journalistin Tatiana Ţîbuleac besonders aus. 1978 in Chişinău in der heutigen Republik Moldau geboren und seit 2008 als Schriftstellerin in Paris lebend …